Du hast mit det janze Politik-Zeug nichts am Hut?

Montag, 29. Oktober 2007

CDU unterstützt Verein Pro-Reli

Neulich hab ick bei Blogbert sein Blog auf eenen Link zu eener Unterschriftenaktion für den Erhalt det Flughafen Tempelhofs jeklickt.
Nicht Böses ahnend, bin ick zunächst bei der CDU (Landesverband Berlin) jelandet.
Dort wiederum wird neben der Abstimmung über een Bürgerbegehren zur Zukunft det Willi-Brandt-BBI-Flughafens, auch für eenen Bürjerentscheid für die Einführung „gleichberechtigten Religionsunterrichts“ jeworben.
„Die nächste Entscheidung steht an:
Für gleichberechtigten Religionsunterricht

Bereits 20 000 Unterschriften hat die Initiative "Pro Reli" gesammelt. Es fehlen aber immer noch Mitstreiter, die sich für die Gleichberechtigung des Religionsunterrichts mit der staatlichen Lebenskunde einsetzen. Die CDU Berlin unterstützt auch dieses Projekt nachdrücklich.“


So weit so….hmmm Jut?
Ick natürlich gleih mah´ reinjeschaut bei der Initiative und stosse auf Foljendet:

Zunächst sprechen die von Toleranz und Multikulti.

„Pro Reli ist eine Initiative engagierter Berlinerinnen und Berliner. Wir setzen uns dafür ein, jungen Menschen Perspektiven für ein friedliches und tolerantes Miteinander in unserer multikulturellen und multireligiösen Weltstadt anzubieten.“


Ick mich natürlich ob der Wortwahl een wenich jewundert und überlecht, ob ick nich vielleicht ausversehen auf eener den Jrünen nahestehenden Website jelandet bin.

Von wejen Multikulti und so... schon klar, wat ick meine, oder?

Ick also weiter nachjeforscht auf der Seite.
Und jetzt kommt´s:
„(…) Wir bewundern zu Recht diejenigen Menschen, die aufgrund ihrer tiefsten Überzeugungen und Wertvorstellungen den beiden Diktaturen auf deutschem Boden entschiedenen Widerstand geleistet haben – zum Teil bis in den Tod. Andererseits haben wir auch in der jüngsten Vergangenheit immer wieder erschreckende Beispiele dafür erlebt, wozu fehlgeleitete Moralvorstellungen auch führen können. Erinnert sei nur an die so genannten Ehrenmorde in Berlin.“


Ok….. det ist jetzt hier keen Jrünen-Jeschwafel sondern reinest EvaHermaneskes Arjumentieren.
Da werden die (wirklich furchtbaren) so jenannten Berliner Ehrenmorde in eenem Atemzug mit den beiden Diktaturen auf deutschen Boden benannt, um zu erläutern, wohin „fehlgeleitete Moralvorstellungen auch führen können“.

Det jiebt et doch wohl nicht:
Zum eenen wird hier det DDR-Regime gleichjesetzt mit dem Nationalsozialismus, wat schon an sich eener Verharmlosung des Nationalsozialismus gleich kommt.
Die Krone wird dem Janzen noch aufjesetzt, wenn hier die fünf so jenannten Ehrenmorde nun wiederum zusätzlich mit den beiden deutschen Diktaturen verglichen werden, in dem jesacht wird, wohin „fehlgeleitete Moralvorstellungen“ führen können.

Allet schön in einem Topf zusammenjemischt.
Jeht´s noch?
Ick stecke jetzt in der Diskussion „Wahlfreiheit bei Ethik- oder Religionsunterricht“ nicht so richtig drinnen. Aber mein erster kurzer Blick darauf zeigt, dass die Arjumente der „Pro-Reli“-Typen – zumind. auf den ersten Blick nicht so recht stimmen wollen.

„Daher fordern wir die Einführung von Religion als ordentlichem Lehrfach auch an den Berliner Schulen im Rahmen eines Wahlpflichtbereichs Ethik/Religion - übrigens ebenso, wie dies in fast allen anderen Bundesländern bereits heute der Fall ist. Gleich ob evangelische oder katholische Christen, Moslems, Juden oder überzeugte Atheisten, sie alle sollen und müssen die Möglichkeit erhalten, die Grundlagen ihrer eigenen Überzeugung kennen zu lernen und damit das eigentliche Fundament ihrer ethischen und moralischen Vorstellungen zu legen.“


Denn die Grundlajen ihrer eijenen Überzeujung sind im Fach Ethik ja enthalten. (zumind. in Bayern)


  • Religionen und Lebensperspektiven

  • Weltreligionen

  • Judentum - Juden in Ingolstadt

  • Christenverfolgungen in der römischen Kaiserzeit

  • Christentum - Jesuiten in Ingolstadt

  • Zen-Teezeremonie

  • Religiosität und neureligiöse Bewegungen

  • Metaphysische Wirksamkeiten

  • Neuheidentum (Link)

  • Aberglaube, Okkultismus und Spiritismus“



Siehe auch in der
Materialsammlung zum Ethik-Unterricht
an Realschulen in Bayern


Ick fraje mich, ob et so eene jute Idee von der CDU ist, mit solchen Leuten jemeinsame Sache zu machen.
Ick kann mich aber natürlich auch irren.

Kommentare:

Martin Schröder hat gesagt…

Hallo,

mit großem Interesse habe ich Ihren Blog zu "Pro Reli" gelesen. Vorweg will ich mich jedoch erst mal "outen". Ich bin der Geschäftsführer von Pro Reli. Für uns sind Meinungen wie die Ihre extrem wichtig. Von daher sind wir Ihnen sehr dankbar, dass Sie sich die Mühe gemacht haben, sich näher mit unserem Anliegen auseinanderzusetzen.

Zum Thema "Ehrenmorde" und der Unverhältnismäßigkeit des Vergleichs kann ich Ihnen nur zustimmen. Wir werden das sicher umformulieren. Zur dahinterstehenden Grundaussage stehen wir dennoch weiterhin ganz klar: Egal ob die Verbrechen unfassbar groß, oder eher überschaubar sind - eine fundierte Wertevermittlung ist ein essentielles Mittel, der Unmenschlichkeit und Gewalt in unserer Gesellschaft entgegenzuwirken.

Zum Thema Ethikunterricht: Wie die Kirchen setzen wir uns ganz dezidiert für den Ethikunterricht ein. Schließlich ist ganz klar, dass eine adäquate Wertevermittlung auch für kirchenfern sozialisierte Bevölkerungsschichten angeboten werden muss.
Wir wünschen uns allerdings eine Ergänzung dieser Wertevermittlung um einen gleichberechtigten Religionsunterricht. Alles andere läuft auf eine Benachteiligung der ca. 1,2 Mio. Gläubigen (Christen, Muslimen, Juden, etc.) in unserer Stadt hinaus.
Ein großes Problem ist dabei auch, dass der Ethikunterricht in Berlin eben kaum - wie in Bayerischen Realschulen - andere Religionen abhandelt und damit einem besseren Verstädnis / Toleranz der Religionen dient. Sie können sich diesbezüglich gerne selbst auf der betreffenden Senatsseite informieren: http://www. berlin.de/sen/bildung/schulorganisation/lehrplaene
Von daher lernen die Schülerinnen und Schüler zur Zeit in Berlin im ev. und kath. Religionsuntericht über andere Religionen deutlich mehr als im Ethikunterricht.

Zum Thema CDU. Wir sind ein überparteilicher und überkonfessioneller Verein. In unseren Reihen finden sich Atheisten ebenso wie evangelische und katholische Christen. Unterstützung erhalten wir nicht nur von der CDU, auch die FDP und SPD-Persönlichkeiten unterstützen unser Anliegen, wie in fast allen anderen Bundesländern eine Wahlfreiheit in Sachen Wertevermittlung zu etablieren.

Herman Pachulke hat gesagt…

Lieber Herr Schröder,

vielen Dank für ihren ausführlichen Kommentar.

Wenn sie zustimmen, werde ick ihren Kommentar auch direkt auf meiner Website veröffentlichen, so dass er prominenter zu sehen ist und von allen meenen Lesern rejisrtiert wird.